Ich wurde nun mehrfach darauf hingewiesen, dass laut UN bzw. UNOSAT über 80% der Gebäude im Gazastreifen zerstört sein sollen.
Ich hatte zugesagt, mir das anzuschauen. Weil ich interessiert bin.
Dies poste ich nur zur Transparenz alleinstehend.
▶️ Die Ergebnisse sind für mich nicht nachvollziehbar.
Ich lehne sie ab.
Um das nochmals sehr deutlich zu sagen: Selbstverständlich ist im Gazastreifen viel zerstört. Niemand bestreitet das.
Die alles entscheidende Frage, und der Punkt, den die Propaganda nutzt – ist aber, was davon über einen normalen Krieg hinausgehen könnte. Denn das Maß der Zerstörung sagt weder etwas über Legitimität, noch Legalität, geschweige denn einen möglichen Völkermord.
Alles, was die UN dazu veröffentlicht hat, ist die Grafik unten.
Damit kann ich wenig bis nichts anfangen.
▶️ Auch mithilfe langer Debatten mit der KI war es mir nicht möglich, genaue Informationen zur Methodik (Methodologie) herauszufinden. Dazu ist wohl nichts veröffentlicht.
▶️ Die Zahlen sind verschwurbelt. Ich konnte nirgendwo klare, eindeutige Thesen finden. Es wird zwischen Definitionen und Gruppen gesprungen. Etwas, was man bei der UN sehr häufig findet.
Wissenschaftler mögen Zeit haben, sich damit auseinanderzusetzen. Ich nicht.
▶️ Grundlage der Erhebung war eine Datenbank mit „Building Footprint“. Und so wird häufiger zwischen den Begriffen „Häuser“ und „Structures“ gesprungen.
„Structures“ kann aber alles sein. Vom Einfamilienhaus bis zum Hochhaus mit 30 Wohneinheiten. Vom Fußballstadion bis zum Kreisverkehr. Eine Definition von „Structures“ war nicht zu finden. Selbst die Gesamtzahl der „Structures“ konnte ich nicht finden.
▶️ Es wird mehrfach behauptet, die Zerstörung sei von Analysten geprüft. Ich konnte keinen Hinweis darauf finden, wie. Ob mit Hilfe von KI oder, was ich für unwahrscheinlich halte, Analysten händisch locker 300.000 Bebauungen geprüft haben.
▶️ Die Zerstörung wird nicht genauer geprüft. Die Analysten stufen lediglich nach Augenschein ein: Zerstört, teilweise zerstört oder möglicherweise zerstört. Das gibt einen breiten Spielraum.
▶️ Es wurden eindeutig Beschädigungen automatisiert aufgenommen.
Man muss sich das so vorstellen: Eine „Struktur“ wurde als zerstört markiert. Angrenzende Gebäude wurden automatisch als mindestens „possibly damaged“ (möglicherweise beschädigt) eingestuft.
Um einen „Einschlagkrater“ wurden in 75m alle Gebäude als möglicherweise beschädigt eingestuft. Neben einem beschädigten Gebäude innerhalb von 15m.
In der Praxis kann das bedeuten: Ein Drohne fliegt auf der Straße in ein Auto, an einem Haus 70m entfernt fliegen ein paar Fenster raus, dieses wird als „beschädigt“ geführt und alle Häuser bzw. „Structures“ drum herum als „möglicherweise beschädigt“.
Ich kritisiere die Erhebung an sich nicht. Denn dazu habe ich zu wenig Informationen.
Und es mag sein, dass für die UN, die ja aus einem ganz anderen Grund die Beschädigung einer Region erfassen möchte, so etwas hilfreich ist.
Ich kann damit aber so nichts anfangen.
Ich habe erneut den Eindruck, die Wissenschaftler mögen vielleicht sauber gearbeitet haben. Was die Kommunikationsabteilung der UN dann aber daraus macht, ist ein Haufen.
⏸️ Ich kann nur beschreiben, warum meine subjektive Beurteilung eine andere ist.
Rafah ist ziemlich Platt gemacht. Das befindet sich aber bereits in israelischer Hand und ist auf der anderen Seite der gelben Linie. Dort wurden Tunnel und einsturzgefährdete Häuser ebenso gesprengt.
In Gaza-Stadt hat es eine große Zerstörung gegeben. Doch auch da gibt es ganze Straßenzüge und Viertel, die intakt sind. Vor allem der „Vorort“ Dschabliya, die Geburtsstätte der Hamas, ist stark zerstört. Aber nicht so, wie Rafah.
Tendenziell sind die Vororte im Osten zerstört, also dort, von wo Israel die Bodenoffensiven geführt hat. Auch dort hat es aber schon Sprengungen und große Aufräum- und Erdarbeiten gegeben. Man kann also nur schwer sagen, was überhaupt durch Beschuss zerstört wurde.
Die Innenstädte der Siedlungen in der Mitte, wie Nuseirat, Deir al-Bah, Bureij und andere, sind weitestgehend intakt. Ebenso viele landwirtschaftliche Flächen auf beiden Seiten der gelben Linie. Was aber nur auf Aufnahmen von etwa Dezember bis Mai zu erkennen ist. Denn es ist Wüste. Die dafür übrigens gewässert werden muss.
Deshalb kann ich unmöglich in einer angemessenen Zeit die Ergebnisse der UN bestätigen oder auch nur beurteilen. Ohne Methodik und Grundmenge kann ich sie nur ablehnen.
Sep 30, 2026 · 9:04 AM UTC
Wie willst du denn dich mit dem Thema transparent auseinandersetzen wenn Israel keine freie Presse im Gaza erlaubt???
Ägypten hat dort eine Pufferzone eingerichtet und 2013 begonnen, Gebäude abzureißen.
Ägypten hat keinen Bock mehr auf die Muslimbrüder, aus denen auch die Hamas entstanden ist.
Die Grenze zu Ägypten ist stärker gesichert, als die Grenze zu Israel.
Hintergründe hier:
steady.page/de/u-m/posts/be2…
Und genau so setzt man sich rational und Zielführend mit einem Thema auseinander. Gegen dieses ewige "GENOZID!!!!" und "SCHAU MAL WIE VIEL DA KAPUTT IST, ISRAEL IST DER TEUFEL!!!!!" geschreie ohne fundierte Begründung oder Nachhaltige Auseinandersetzung mit dem Thema, nur weil man sich unfassbar leicht manipulieren und emotionalisieren lässt, dann nicht bereit ist von diesem Bild abzurücken und immer wieder nur die selbe Fehlinformation als Begründung zitiert, anzureden wird langsam müßig und ermüdend.
Dies hier ist zwar schon 1 Jahr alt, aber ich finde die Differenzierung intakt/leichter Schaden/mittlerer Schaden/schwerer Schaden/zerstört wichtig. "Zerstörung" ist etwas anderes als leichte oder mittlere Schäden! Aber natürlich lässt die Tagesschau ihre eigene Datenerhebung mit fast 60% intakten oder nur leicht beschädigten Gebäude unter der Überschrift "Zerstörung" mit entsprechender Bebilderung laufen.
tagesschau.de/ausland/asien/…
Danke, dass du dir das angeschaut hast. Ein paar Punkte stimmen so aber nicht, und die meisten deiner offenen Fragen sind öffentlich beantwortet. Ich gehe der Reihe nach durch.
Vorweg: Niemand hat behauptet, 80% seien zerstört. Die Aussage war: gut die Hälfte zerstört, über 80% beschädigt oder zerstört. Das ist ein Unterschied, und er steht genau so in den UNOSAT-Daten.
1. Die Zahlen (UNOSAT, Stand 16. Juni 2026)
134'422 zerstört, 13'848 schwer beschädigt, 28'096 mittel beschädigt, 24'924 möglicherweise beschädigt. Total 201'290 Strukturen, rund 82% aller Strukturen. Die Grundmenge ergibt sich direkt daraus: rund 245'000. Zerstört allein: rund 55%. Vier Kategorien und eine Summe, da ist nichts verschwurbelt.
2. «Zur Methodik ist nichts veröffentlicht»
Doch. UNOSAT hat ein eigenes Methodikblatt veröffentlicht (Link unten). Die 75-Meter- und 15-Meter-Regel, die du beschreibst, steht dort wörtlich drin. Du zitierst also aus der Methodik, die es angeblich nicht gibt. Dazu kommen die Rohdaten: Auf HDX (Humanitarian Data Exchange der UN) kann jeder die Shapefiles herunterladen, mit jeder einzelnen Struktur und ihrer Einstufung. Veröffentlicht ist also nicht «eine Grafik», sondern der komplette Datensatz.
3. «Structures ist nicht definiert»
Grundlage ist ein Gebäude-Footprint-Datensatz von UNOSAT und UN-Habitat, abgestützt auf Daten des palästinensischen Statistikamts. Ein Footprint ist ein Gebäudegrundriss. Kreisverkehre sind da nicht drin, Strassen wertet UNOSAT separat aus. Und das Problem Einfamilienhaus gegen Hochhaus ist genau der Grund, warum UNOSAT zusätzlich Wohneinheiten ausweist: Jeder Footprint hat eine Anzahl Wohneinheiten hinterlegt. Stand Juni 2026 sind rund 328'600 Wohneinheiten beschädigt.
4. Die Kategorien
Es sind nicht «zerstört, teilweise zerstört, möglicherweise zerstört», sondern vier: destroyed, severely damaged, moderately damaged, possibly damaged. Die ersten drei werden per Bildvergleich vorher/nachher eingestuft, Zusatzindikatoren wie Trümmer bestimmen die Konfidenz. Ja, das ist Augenschein. So funktioniert Satellitenbildauswertung überall, vom Erdbeben bis zur Ukraine.
5. Die Automatisierung
Stimmt, betrifft aber nur die vierte Kategorie. Automatisch als «possibly damaged» markiert werden Gebäude innerhalb 75 m um einen Einschlagkrater oder 15 m neben einem beschädigten Gebäude. Diese Kategorie umfasst rund 25'000 Strukturen, also etwa 10% aller Gebäude. Streich sie komplett: Es bleiben rund 72% beschädigt oder zerstört und rund 55% zerstört. Am Ergebnis ändert dein Kernargument also praktisch nichts.
Dein Drohnen-Beispiel geht auch nicht auf. UNOSAT schreibt selbst, dass auf Satellitenbildern nur erhebliche Schäden an der Bausubstanz sichtbar sind, kleinere Schäden wie Risse oder Löcher oft gar nicht. Ein Haus mit ein paar kaputten Fenstern wird nicht als «beschädigt» erfasst. Im besten Fall (für dein Argument) landet es über die 75-m-Regel als «möglicherweise beschädigt», und das nur, wenn überhaupt ein Krater sichtbar ist.
6. «Analysten können nicht 300'000 Gebäude händisch prüfen»
Müssen sie nicht auf einmal. UNOSAT wertet seit Oktober 2023 fortlaufend aus, jeder Bericht vergleicht neue Aufnahmen mit den vorherigen. Laut UNOSAT werden die Veränderungen von Analysten manuell in den Vektordaten erfasst. Und wer der UN nicht traut: Die Forscher Scher und Van Den Hoek (CUNY und Oregon State University) arbeiten mit einer völlig anderen Methode, Radar statt Optik, algorithmisch. Sie kamen per 11. Januar 2025 auf 172'015 beschädigte oder zerstörte Gebäude, UNOSAT per 1. Dezember 2024 auf 170'812. Das GIS-Zentrum der Hebräischen Universität Jerusalem kam im Juli 2025 auf 89% ganz oder teilweise zerstörte Gebäude in Rafah, 84% im Norden und 78% in Gaza-Stadt. Unabhängige Quellen, unterschiedliche Methoden, dasselbe Bild.




























